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Plan-Patin Burgl Lichtenstein hat im März 2011 ihr Patenkind Eduardo in Brasilien besucht. Der folgende Text, der den Besuch bei Eduardo schildert, ist ein Auszug aus ihrem Reisetagebuch "Immer wieder Brasilien".

"Eduardo, unser Patenkind aus Recife, ist zehn Jahre alt. Vermittelt hat die Patenschaft das internationale Kinderhilfswerk Plan. Über die Organisation wurden Briefe und kleine Geschenke geschickt, gesehen oder gesprochen haben wir Eduardo noch nie. Nun ist also Premiere und dementsprechend aufgeregt bin ich.

Um 10.00 Uhr sitzen wir gespannt in der Empfangshalle unseres Hotels und warten voller Vorfreude auf die Plan-Mitarbeiter, die uns zu Eduardo und seiner Familie bringen werden. Nach einer kurzen Fahrt erreichen wir das Zuhause von Eduardo: hier werden wir von ihm und seiner Mutter Rejanete bereits erwartet und ins Haus gebeten. Rejanete heisst uns mit einer Selbstverständlichkeit willkommen, als wären wir alte Freunde, die eben mal vorbeischauen. Eduardo merkt man hingegen die Spannung an. Er rutscht hippelig auf dem Sofa hin und her und schaut fragend zu Jose, dem Betreuer von Plan, der ihm das Stichwort Schule liefert, womit der Damm gebrochen ist. Am "coolsten" findet er, dass er wegen unseres Besuchs schulfrei bekommen hat. Ob wir am nächsten Tag nicht noch mal kommen könnten. Zudem habe er alle Prüfungen bestanden und könne auf eine höhere Schule wechseln. Es gefalle ihm nicht, dass er dort Spanisch lernen müsse. Er hätte viel lieber Englisch. Seine Favoriten im Fernsehen seien amerikanische Trickfilme. Eduardo zeigt mir das Familienalbum, in dem er mit all seinen Verwandten zu sehen ist. Das Foto von meinem Mann und mir - das wir auf Empfehlung von Plan International geschickt haben - steht auf einer Kommode und teilt sich den Silberrahmen mit einem Foto von Eduardos Vater, der mit Freunden einen Fussballpokal in Empfang nimmt. Eine grössere Ehre konnte uns nicht widerfahren. Ohne viele Worte verstehe ich mich mit dem Jungen aufs herzlichste und halte den Zeitpunkt für gekommen, ihm unsere "Wundertüte" mit Fussball und Armbanduhr in die Hand zu drücken, was er mit einem Freudenschrei quittiert.

Inzwischen ist auch die Nachbarschaft hellhörig geworden - allen voran Emilia, die gegenüber wohnt. Erst vor kurzem sei der Pate ihrer schönen und gescheiten Lydiana aus England da gewesen. Als sich die angekündigte Lydiana nicht blicken lässt, wird sie herbeizitiert, was keine Wirkung zeigt. Dafür erscheinen weitere Nachbarn und füllen das Wohnzimmer, in dem es immer stickiger wird, so dass wir auf die Strasse in den Schatten wechseln. Dort vergrössert sich die "Versammlung" weiter. Zusammen mit Antonio schleppt Eduardo alle verfügbaren Sitzgelegenheiten herbei. Eduardos und Antonios Väter sammeln Plastikabfälle und stellen daraus die Hocker her, auf denen wir Platz nehmen. Mit dem Verdienst kommen beide Familien einigermassen über die Runden. Auch Lydiana lässt sich endlich blicken. Sie will Kosmetikerin werden und hat die lange Zeit gebraucht, um sich zu schminken. Als die Männer beim Thema Fussball ankommen, schlagen Rejanete und Tarciana mir vor, die Strasse entlang zu spazieren. Zwischen den Häusern erstreckt sich mit spärlichem Gras bewachsenes Niemandsland, auf dem drei magere Pferde grasen sowie Ziegen und Schweine herumtollen. Diese kleine "heile Welt" endet abrupt drei Strassen weiter, denn dort gingen bereits die Probleme mit den Drogen, der Prostitution und der Kriminalität los. Rejanete erzählt bekümmert, dass man zwar alles daran setze, die Kinder von diesem Sumpf fernzuhalten, es aber nicht immer gelinge. Dann führt sie uns nochmals ins Haus. Und erklärt uns, dass ihr Mann als nächstes für Eduardo ein Zimmer ausbauen wolle, denn noch schlafe er ja auf der Couch im Wohnzimmer.

Wie verabredet fährt nach zweieinhalb Stunden unser Fahrer wieder vor. Unsere Besuchszeit ist zu Ende. Die Abschiedszeremonie ist gewaltig. Emilia, die uns ein ums andere Mal umarmt, lädt uns zu ihrem Geburtstagsfest im Mai ein und die Mutter von Antonio will uns partout zum Abendessen wiedersehen. Eduardo verspricht, uns in der Schweiz zu besuchen, aber erst wenn er ein berühmter Fussballer sei. Rejanete umarmt mich und sagt "Adeus", aber bei beiden laufen die Tränen."