Weltwirtschaftsgipfel: Gleichberechtigung noch in keinem Land der Welt erreicht | Plan International Schweiz Direkt zum Inhalt

Weltwirtschaftsgipfel: Gleichberechtigung noch in keinem Land der Welt erreicht

24. Januar 2018
CEO von Plan International ruft globale Unternehmen in Davos auf, sich mehr für die Rechte von Mädchen und Frauen einzusetzen.

 

Gleichberechtigung? Fehlanzeige. Noch immer müssen sich Mädchen in vielen Ländern - wie hier in Südsudan - um den Haushalt kümmern, während die Jungen in die Schule gehen dürfen.

Geschlechterdiskriminierung beenden und Frauen und Mädchen in allen Bereichen des Lebens die gleichen Rechte einräumen wie Männern - darauf hatten sich die Staaten der Vereinten Nationen mit den Nachhaltigen Entwicklungszielen (SDGs) in der Agenda 2030 geeinigt. Doch kein einziges Land wird dieses Ziel in naher Zukunft erreichen - darauf weist Jan Schneider, Geschäftsführerin von Plan International Schweiz, mit Blick auf das diesjährige Treffen des Weltwirtschaftsforums (WEF) vom 23. bis 26. Januar 2018 in Davos hin: „Studien zeigen, dass wir auch hier in der Schweiz noch weit davon entfernt sind, die Leistungsvorteile von geschlechter-gemischten Teams in der Wirtschaft erkannt zu haben. Wenn wir den Mangel an Frauen in Kaderpositionen ernst nehmen, dann müssen wir hier bereits bei den Mädchen und Jungen anfangen. So, wie wir dies beispielsweise mit unserem Mentoring-Projekt in der Schweiz tun.“

Laut einer Studie des WEF zur Gender Gap wird es noch 85 bis 100 Jahre dauern, bis wir echte Gleichberechtigung erreichen. Denn selbst in Staaten wie die Schweiz, Finnland, Deutschland oder den USA, die weltweit als Vorreiter in Sachen Gleichberechtigung gelten, herrschen weiterhin diskriminierende Genderstereotype, die Frauen und Mädchen in verschiedenen Bereichen des Lebens benachteiligen. So ist laut der Studie ein Fünftel (20 Prozent) der deutschen Männer der Ansicht, dass sie im Falle einer Jobknappheit mehr Anrecht auf eine Stelle haben als eine Frau. In Finnland sind nur 23 Prozent der Studierenden in den Fächern Technologie, Ingenieurswissenschaften oder Mathematik Frauen. Und in Belgien gaben 81 Prozent der Frauen an, sich täglich um den Haushalt zu kümmern, während es bei den Männern nur 33 Prozent waren.

Bei dem internationalen Gipfeltreffen in Davos kommen jedes Jahr Staatschefs, Führungskräfte und Experten aus Politik und Wirtschaft zusammen, um über globale Themen zu diskutieren. Auch Anne-Birgitte Albrectsen, CEO von Plan International, ist in diesem Jahr als eine der wenigen Vertreterinnen von Nichtregierungsorganisationen zu Gast. In ihrer Rede fordert sie Unternehmen dazu auf, sich mehr für die Gleichberechtigung einzusetzen - zum Beispiel, indem sie auf sexistische Werbung verzichten, ein familienfreundliches Arbeitsumfeld mit flexiblen Arbeitszeiten für ihre Mitarbeiter schaffen oder Mentoring-Programme für Frauen und Mädchen - vor allem in männerdominierten Bereichen wie IT, Technologie und Wissenschaft - anbieten.

Denn: „Der private Sektor spielt eine wichtige Rolle, wenn es um die Bekämpfung von diskriminierenden Geschlechterstereotypen geht. Nur wenn Unternehmen, Zivilgesellschaft, Regierung und die Medien zusammenarbeiten, können wir echte Veränderungen bewirken“, sagt Albrectsen.

Veränderungen, die sich am Ende auch positiv auf die Wirtschaft auswirken: Wenn es gelänge, die Kluft zwischen den Geschlechtern in der Berufswelt weltweit um 25 Prozent zu verringern, könnte dadurch das globale Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 5,3 Billionen US Dollar gesteigert werden.  Wenn Frauen innerhalb Europas die gleiche Anzahl an digitalen Jobs besetzen würden wie Männer, könnten sie das BIP in Europa um 9 Milliarden US Dollar steigern.