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Neue Plattform für Mädchenrechte

7. Februar 2018
Girls‘ Rights Platform: Plan International ruft neue Datenbank ins Leben, um Mädchen und ihre Rechte sichtbar zu machen.
Mehr als 1`300 Dokumente aus dem Zeitraum von 1930 bis 2017 hat Plan International analysiert, um Lücken und Trends in Bezug auf Mädchen und ihre Rechte sichtbar zu machen.

41`000 Mädchen auf der Welt werden jeden Tag gegen ihren Willen verheiratet. Sie werden meist noch im Teenageralter schwanger, müssen die Schule abbrechen und haben später keine Chance auf ein eigenes Einkommen. Frühverheiratung ist ein Problem, unter dem vor allem Mädchen leiden. Sie müssen deshalb besonders geschützt werden, um ihre Rechte wahrnehmen zu können und die Möglichkeit auf ein selbstbestimmtes Leben zu haben. Doch Mädchen sind bisher so gut wie unsichtbar - zumindest in der internationalen Gesetzgebung.

Plan International hat in der Studie „Girls‘ Rights are Human Rights“ mehr als 1300 Dokumente aus dem Zeitraum von 1930 bis 2017 analysiert, um Lücken und Trends in Bezug auf Mädchen und ihre Rechte sichtbar zu machen. Das Ergebnis ist alarmierend: Der Grossteil der politischen Dokumente und Rechtskonventionen ist entweder geschlechts- oder altersneutral verfasst. Mädchen werden meist unter übergeordneten Kategorien wie „Kinder“, „Erwachsene“, „Jugendliche“ oder „Frauen“ zusammengefasst. Plan fordert deshalb, dass Mädchen eigenständig betrachtet und benannt werden müssen und nicht länger in übergeordneten Kategorien wie Frauen- oder Kinderrechten untergehen dürfen.

Plan International Botschafterin und Dekanin der rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Zürich, Brigitte Tag befürwortet diese Forderung: „Völkerrechtliche Verträge und internationale Konventionen zum Schutz von Frauen und Mädchen sind wichtige Schritte auf einem steinigen Weg. Ihre Akzeptanz und nationale Umsetzung zeigen freilich erhebliche Defizite in Bezug auf die Wahrung der grundlegenden Rechte von Mädchen. Hier setzen die fünf Empfehlungen von Plan International an. Es geht vor allem darum, einen nachhaltigen und positiven Veränderungsprozess auf allen relevanten Ebenen in Gang zu bringen und zu festigen. Die Studie zeigt auf, dass ein grosser Handlungsbedarf besteht. Packen wir die Herausforderungen gemeinsam an und bieten wir Hand, wo immer sie gebraucht wird!"

Bei der Veröffentlichung der Studie in Genf unterstützt die 16-jährige Riman dieses Vorgehen: „Es sollte selbstverständlich sein, dass Mädchen genau die gleichen Rechte haben, wie alle anderen Menschen auch. Aber die Gesellschaft achtet Mädchenrechte nicht genauso wie die Rechte anderer“.Sie selbst ist vor zwei Jahren mit ihrer Familie aus Syrien geflüchtet und lebt jetzt in Hamburg. In ihrer Rede vor internationalen Vertretern aus Regierung, Politik und Entwicklungszusammenarbeit schilderte sie, wie Mädchen aus ihrem direkten Umfeld mit 13 oder 14 Jahren verheiratet oder schwanger wurden. „Das macht mich traurig, denn ich denke, das Leben dieser Mädchen ist damit schon zerstört.“

Um den Blick auf dieses Thema zu lenken und Veränderungsprozesse anzustossen, hat Plan International jetzt eine Datenbank ins Leben gerufen, auf der über 1400 internationale Dokumente und Gesetzestexte hinterlegt sind: Die „Girls‘ Rights Platform“ - die Plattform für Mädchenrechte. Hier erhalten Anwältinnen, Aktivisten, Politikerinnen, Wissenschaftler oder Mitarbeiter von Hilfsorganisationen Zugang zu Informationen und Hintergrundwissen rund um die Rechte von Mädchen. Aber auch Interessierte aus der Zivilgesellschaft finden darin eine Art Nachschlagewerk. Denn um nachhaltig etwas zu verändern, reicht es nicht aus, nur auf das Thema aufmerksam zu machen, wie Riman aus Syrien betont: „Die Regierungen müssen sicherstellen, dass die Rechte von Mädchen geschützt und nicht eingeschränkt werden. Dafür braucht es in vielen Ländern auch neue Gesetze.“